BACK:LAB – Stadtentwicklung als Reallabor: Der Marthashof

Wisst Ihr wo der „Marthashof“ liegt? Zumindest wir – Jutta und ich – hatten bisher noch nie davon gehört – und vermutlich geht es vielen von Euch auch so. Der Marthashof ist ein Innenhof, eingebettet zwischen Bertha-von-Suttner-Platz, Kölnstraße, Langstraße und Sandkaule, am Rande der Bonner Innenstadt. Dieser Ort ist seit September 2025 Reallabor – einem Probierraum für Stadtentwicklung.

In dem interdisziplinären Lehr-Forschungsprojekt BACK:LAB – Labor für künstlerische Stadtforschung arbeiteten Bachelor- und Masterstudierende des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft sowie des Geographischen Instituts der Universität Bonn gemeinsam daran, den Marthashof und seine Umgebung neu zu denken.

Auf den ersten Blick dient der Marthashof zurzeit hauptsächlich als Parkplatz- und Erschließungsfläche. Bei genauerem Hinschauen verdichten sich hier jedoch diverse Nutzungskonflikte: Zwischen parkenden Fahrzeugen, gewerblicher Logistik und infrastrukturellen Nutzungen finden Drogenkonsum, unsachgemäße Müllentsorgung und Kleinkriminalität statt. Gewerbetreibende, Parkende, Drogenkonsumierende, Passant:innen sowie nicht-menschliche Stadtbewohner:innen, wie Ratten und Tauben, treffen auf engem Raum aufeinander. Gestaltete Aufenthaltsflächen fehlen. Die überwiegend versiegelten Flächen verhindern das Versickern von Niederschlägen, wodurch Hitzeinseln begünstigt werden, durch die die Umwelt und Gesundheit belastet werden.

BACK:LAB – Künstlerische Stadtforschung im Hinterhof der Stadt

Ziel des ko-kreativen Forschungsprojekts BACK:LAB ist es, den Ort als Zwischen- und Konfliktraum besser zu verstehen und gemeinsam Ideen für eine klimagerechte, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung zu entwickeln.

Herzstück des Projekts ist ein bis dato leerstehender Raum auf der Rückseite des Gebäudes Sandkaule 13b. Dieser fungiert als zentraler Lern- und Experimentierraum, in dem inklusive Teilhabe, gemeinsames Gestalten und die Entwicklung neuer urbaner Visionen erprobt werden.

Das wird konkret gemacht:

  • Die Studierenden erforschen vor Ort die sozialen, infrastrukturellen und ökologischen Bedingungen.
  • Die TEE I ZEIT ist ein regelmäßiges, wöchentlich stattfindendes Dialogformat, zu dem Anwohner:innen, Bürger:innen und Interessierte ins BACK:LAB eingeladen sind. In offenen Gesprächen werden Perspektiven auf den Ort ausgetauscht, Ideen für seine Zukunft entwickelt und Begegnungen im Stadtteil ermöglicht. Das Format schafft einen kontinuierlichen Dialograum zu Umwelt- und Entwicklungsfragen der Innenstadt.
  • Im Rahmen der WERK I SCHAU präsentieren die Studierenden die Ergebnisse ihrer Projektarbeit einer interessierten Öffentlichkeit – sowohl im Innenraum der Garage als auch im angrenzenden Außenraum – und machen damit die erarbeiteten Perspektiven und Visionen sichtbar und diskutierbar.
  • Ganz neu findet im Sommersemester 2026 das Format BACK:LAB MEETS statt. Die Idee des Formats ist es, punktuell Raum für Kooperation und Austausch zu eröffnen, welche das BACK:LAB mit externen Akteur:innen aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft vernetzen sollen.

Das Fazit der beiden Initiatorinnen Miriam Hamel (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft) und Eva Nöthen (Universität Bonn): „Damit wurde sichtbar, dass ko-kreative künstlerisch-forschende Formate dazu beitragen können, urbane Konflikträume als gemeinsame Lern- und Aushandlungsräume zu begreifen und neue Perspektiven für eine sozial und ökologisch gerechte Innenstadtentwicklung zu eröffnen.“

Ausblick

Das Projekt wurde von September bis Dezember 2025 vom Verfügungsfonds des Innenstadtmanagements der Stadt Bonn initial gefördert und erfährt seit März 2026 eine vorläufige Verstetigung aus Mitteln der Stiftung Umwelt und Entwicklung.

Termine Frühjahr/Sommer 2026

  • TEE I ZEIT: dienstags 17:00-19:00 Uhr
  • WERK I SCHAU: 08.07.2026; ab 18:00 Uhr
  • BACK:LAB meets: 21.05.2026, 18.06.2026 und 16.07.2026; jeweils 18:00-20:00 Uhr

Schaut gerne mal bei einem der Termine vorbei und berichtet hier, was ihr erlebt habt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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